{"id":77,"date":"2013-09-09T22:05:06","date_gmt":"2013-09-09T21:05:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hoehle.at\/wordpress\/?page_id=77"},"modified":"2026-02-06T14:25:40","modified_gmt":"2026-02-06T13:25:40","slug":"piesling-ursprung","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.hoehle.at\/wordpress\/hohlentauchen\/piesling-ursprung\/","title":{"rendered":"Pie\u00dfling-Ursprung"},"content":{"rendered":"<p>Kat.Nr.: 1827\/20<\/p>\n<p>Robert Seebacher<\/p>\n<p>Tauchgang im Endsiphon des Pie\u00dfling-Ursprung (1636\/3)<br \/>\nRo\u00dfleiten, Ober\u00f6sterreich<\/p>\n<p>Lage:<br \/>\nDer eindrucksvolle Quelltopf befindet sich s\u00fcdlich der kleinen Ortschaft Ro\u00dfleiten \/O\u00d6 auf einer Seeh\u00f6he von ca. 755 m am Fu\u00dfe einer etwa 100 m hohen Felswand.<\/p>\n<p>Charakteristik:<br \/>\nVaklusische Riesenkarstquelle mit ganzj\u00e4hrig beachtlicher Sch\u00fcttung, die auch bei langer Trockenheit nur selten unter die 500 l\/s-Grenze sinkt.<br \/>\nDie Sch\u00fcttungsspitzen liegen bei mehr als 40.000 l\/s.<br \/>\nDas Haupteinzugsgebiet der Quelle reicht vom Warscheneck (2388m) bis zum Plateau der Wurzeralm.<br \/>\nDer Pie\u00dfling-Ursprung ist die bedeutendste Karstquelle des Toten Gebirges und besitzt neben den Siphonteilen auch ein ausgedehntes, lufterf\u00fclltes Gangsystem.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hoehle.at\/homepage\/Z-pictures\/Piessling.jpg\" alt=\"\" hspace=\"0\" \/><\/p>\n<p>Erforschungsgeschichte:<br \/>\nDer imposante Quelltopf war bereits im Jahre 1962 Ziel erster Tauchg\u00e4nge. Damals erreichten W. Fuchs und G. Teimer eine Tiefe von 52 m. Sie mussten aufgrund zu starker Str\u00f6mung und der unzureichenden Ausr\u00fcstung an einer Verengung umkehren.<br \/>\n1975 unternahmen H\u00f6hlenforscher aus Linz gemeinsam mit Tauchern des Tauchklubs Delphin weitere Forschungen. Dabei konnte Liebhart Kosa \u00fcber das Siphonknie hinaus in gro\u00dfr\u00e4umige Unterwasserfortsetzungen vordringen und nach eigenen, m\u00fcndlichen Angaben bis in eine Tiefe von 78 m abtauchen.<br \/>\nTraurige Ber\u00fchmtheit erlangte die Quelle 1987, als eine Tauchlehrerin in den Tiefen des Siphones umkam. Bei der Suche nach der Vermissten kam es zu weiteren tragischen Ereignissen. Ein Polizeitaucher ertrank in etwa 30 m Tiefe und ein weiterer Einsatztaucher erlitt einen schweren Dekompressionsunfall. Nach diesen Ereignissen wurde die Nachsuche durch hiesige Organisationen eingestellt.<\/p>\n<p>Durch Initiative der Gemeinde Ro\u00dfleithen unternahm der bekannte, aus Pforzheim (D) stammende H\u00f6hlentauch-Pionier Jochen Hasenmayer einen weiteren Such-Tauchgang mit Mischgas. Er erreichte am Ende eines Unterwasserschachtes in 80 m Wassertiefe einen ger\u00e4umigen Gang mit Kiesboden, der sich weiter ins Berginnere fortsetzt. Dort musste er den Tauchgang ohne auch nur eine Spur der Vermissten gefunden zu haben, abbrechen.<br \/>\nSeit dem gilt f\u00fcr den Quelltopf ein striktes Tauchverbot.<\/p>\n<p>Bei einer Tauchaktion des Tauchclubs Delphin im November 1974 gelang es L. Kosa einen 25 m \u00fcber dem Quelltopf gelegenen Nebensiphon zu \u00fcberwinden.<br \/>\nHinter der kurzen Unterwasserstrecke gelang es bedeutende trockene H\u00f6hlenteile zu entdecken. Mitgliedern des Vereines f\u00fcr H\u00f6hlenkunde in Sierning gelang es schlie\u00dflich nach langer harter Arbeit diesen kurzen Siphon abzuleiten, sodass die ausgedehnten hinteren Teile der Pie\u00dflingursprungh\u00f6hle 1977 erstmals ohne Tauchausr\u00fcstung betreten werden konnten.<br \/>\nEine Phase rascher Erforschung erbrachte mehr als 1000 m Neuland in teils ger\u00e4umigen G\u00e4ngen. An zwei Stellen wird in Form gro\u00dfer H\u00f6hlenseen der Wasserspiegel des Quelltopfes erreicht.<\/p>\n<p>Obwohl sich H\u00f6hlentaucher immer wieder erfolglos um eine Genehmigung f\u00fcr den Quelltopf bem\u00fchten, blieben die Siphone im hinteren Teil der H\u00f6hle lange Zeit unbeachtet.<br \/>\nBereits seit Beginn meiner T\u00e4tigkeit als H\u00f6hlentaucher interessierte mich der hintere der beiden Siphone sehr. Seine Lage am Ende der gro\u00dfr\u00e4umigen H\u00f6hle, fast 400 m Luftlinie vom Quelltopf entfernt, erschien mir als Ansatzpunkt f\u00fcr Forschungen ideal.<br \/>\nNachdem mir dann beim H\u00f6hlenforschertreffen &#8222;Speleo Austria 2001&#8220; im August 2001 Helmut STEINMA\u00dfL von einer Str\u00f6mung berichtete, die er in diesem Endsee bei Hochwasser beobachtet hatte, interessierte mich diese Fortsetzung noch mehr.<br \/>\nDa Helmut als Kenner des Pie\u00dfling-Ursprungs und als treibende Kraft der Forschung ebenfalls sehr an einem Tauchversuch interessiert war, planten wir gemeinsam f\u00fcr die Wintermonate einen Einsatz.<\/p>\n<p>Der Tauchgang<br \/>\nAm 26. M\u00e4rz 2002 war es dann so weit. Als Tr\u00e4gerteam fungierten Nino BACHMAYR, Sebastian KOGLER und Johann PUTZ vom VHO, sowie Helmut STEINMA\u00dfl vom VfHk Sierning.<br \/>\n\u00dcber den Quelltopf wurden Material und Mannschaft mittels Schlauchboot transportiert. In der H\u00f6hle ging es dann weniger bequem etwa 1 Stunde bis zum Endsse. Auf dieser Strecke sind mehrere Engstellen und Kletterstellen zu \u00fcberwinden, was den Transport der sperrigen Tauchausr\u00fcstung erheblich erschwerte.<br \/>\nDer hintere Siphon liegt am Ende des durch schnittlich 10 m breiten und 8 m hohen &#8222;Gang des ewigen Schalles&#8220;, welcher auf etwa 120 m L\u00e4nge 70 H\u00f6henmeter \u00fcberwindet.<br \/>\nDie Wasserfl\u00e4che ist 6 bis 8 m breit und etwa 40 m lang.<br \/>\nAlle W\u00e4nde fallen senkrecht oder \u00fcberh\u00e4ngend die letzten 10 m bis zum Wasserspiegel ab. Nur an der Westwand ist es m\u00f6glich ohne Abseilen, jedoch mittels Gel\u00e4nderseil zum Wasserspiegel abzusteigen. Gl\u00fccklicherweise gibt es hier zum Anlegen der Tauchausr\u00fcstung auch einen kleinen schr\u00e4gen Uferbereich.<\/p>\n<p>Tauchtechnik:<br \/>\nAufgrund der geringen Wassertemperatur von nur etwa 4\u00b0C fand ein Trockentauchanzug Verwendung. Das Tauchger\u00e4t wurde f\u00fcr diesen ersten Tauchversuch m\u00f6glichst leicht und transportabel zusammengestellt, da es ja erst durch die gesamte trockene H\u00f6hle zum Endsiphon transportiert werden musste.<br \/>\nVerwendet wurde ein 2 x 4 l R\u00fcckenger\u00e4t und ein zus\u00e4tzliches 4 l &#8211; Tauchger\u00e4t, welches vor der Brust getragen wurde. So konnte mit einfachen Mitteln und relativ wenig Gewicht ein gro\u00dfes Ma\u00df an Sicherheit erreicht werden.<\/p>\n<p>Beleuchtung:<br \/>\nBeim Tauchvorsto\u00df wurde eine Helmlampe mit 35 W als Hauptlicht verwendet. Aufgrund der gro\u00dfen Gangdimensionen w\u00e4re die zus\u00e4tzliche Mitnahme einer starken Handlampe sehr n\u00fctzlich.<br \/>\nSicht:<\/p>\n<p>Die Sicht unter Wasser lag bei etwa 6 bis 8 m, da wenige Tage zuvor ein Hochwasserereignis stattgefunden hatte. Normalerweise kann im Winter mit Sichtweiten von 30 bis 50 m gerechnet werden.<\/p>\n<p>Vermessungstechnik:<br \/>\nDie Richtungswerte (Azimut) wurden mit einem Peilkompa\u00df (+-2 Grad Ablesegenauigkeit) entlang der Tauchleine gemessen.<br \/>\nDie L\u00e4ngenangaben der Me\u00dfstrecke wurden aufgrund der alle 5 m markierten F\u00fchrungsleine ermittelt.<br \/>\nDie Vermessung konnte auf diese Weise vom Verfasser alleine durchgef\u00fchrt werden und erbrachte ein Ergebnis mit einer Genauigkeit von BCRA 3B.<\/p>\n<p>Beschreibung der neuen Unterwasserstrecke:<br \/>\nAm S\u00fcdende des Endsees beginnt der Siphon II des Pie\u00dfling Ursprungs. Der Gang ist anfangs etwa 6 m breit und 7 m hoch und f\u00fchrt leicht fallend in Richtung SSW.<br \/>\nDer Boden ist mit feinem Kies und einigen Versturzbl\u00f6cken bedeckt. Die Bl\u00f6cke sind stark abgeschliffen und teilweise blankpoliert. Nach 35 m ist eine Tauchtiefe von 15 m erreicht, hier \u00e4ndert der Gang seine Richtung auf SO und f\u00e4llt steil \u00fcber eine Blockhalde in gr\u00f6\u00dfere Tiefen ab. Die Raumh\u00f6he variiert zwischen 6 und 10 m. Nach einer Tauchstrecke von insgesamt 64 m erreicht man in 32 m Tiefe eine Stelle mit nur noch etwa 2 m H\u00f6he, die Breite liegt bei ca. 8 m.<br \/>\nHier war am Tag der Erforschung deutlich die St\u00f6mung zu sp\u00fcren. Die Sch\u00fcttung der Quelle betrug etwa 1 m\u00b3\/s.<br \/>\nAn dieser Stelle wurde der Vorsto\u00df abgebrochen. Vom Umkehrpunkt war ersichtlich, dass der Gang, wieder h\u00f6her werdend, weiter in die Tiefe f\u00fchrt.<br \/>\nDer Tauchgang dauerte 32 Minuten. Anschlie\u00dfend wurde noch der n\u00f6rdliche Bereich des Endsees untersucht.<br \/>\nDer gro\u00dfe Endsee ist zwischen 3 und 5 m tief. Der Bode ist mit Kies und feinem Sand bedeckt. Im n\u00f6rdlichen Bereich liegen gro\u00dfe Versturzbl\u00f6cke, zwischen denen das Wasser in Richtung Eingang abflie\u00dft. Hier w\u00e4re es m\u00f6glich abzutauchen, was aber im Zuge dieser Tour nicht durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Ausblick:<br \/>\nObwohl es nicht gelang, den Endsiphon des Pie\u00dfling-Ursprunges zu \u00fcberwinden, kann der durchgef\u00fchrte Tauchvorsto\u00df als voller Erfolg gewertet werden &#8211; Konnten doch die Hauptfortsetzung gefunden und die unterirdische Pie\u00dfling weiter verfolgt werden.<br \/>\nWeiters ist der Tauchgang ein gutes Beispiel, dass eine systematische und gut \u00fcberlegte Forschung oft mehr Fr\u00fcchte tr\u00e4gt, als mit riesigem Aufwand die spektakul\u00e4rste Fortsetzung zu verfolgen.<br \/>\nH\u00e4tte man vom vorderen Quelltopf aus versucht, den unterirdischen Lauf der Pie\u00dfling zu erforschen, w\u00e4re man vielleicht nach einem Monster-Tauchgang mit Mischgas und gewaltigen Schwierigkeiten im Endsee aufgetaucht.<br \/>\nDazwischen w\u00e4re es notwendig gewesen, auf \u00fcber 80 m Tiefe zu tauchen, was nicht nur gef\u00e4hrlich, sondern auch mit gro\u00dfen tauchtechnischen Schwierigkeiten behaftet gewesen w\u00e4re.<br \/>\nObwohl es zweifellos f\u00fcr Geologen und Hydrologen interessant w\u00e4re, wie die Unterwasserstrecke zwischen dem Endpunkt des ersten Siphones und dem Endsee verl\u00e4uft, w\u00fcrde man da wohl auf keine allzugro\u00dfen \u00dcberraschungen sto\u00dfen.<br \/>\nDer Siphon wird von -80 m mit einigem Auf und Ab mehr oder weniger direkt zum Endsee f\u00fchren.<br \/>\nWeiters d\u00fcrfte die zur Zeit vom Wasser genutzte Unterwasserstrecke zwischen Endsee und Quelltopf entweder sehr kleinr\u00e4umig oder durch einen Versturz blockiert sein. Dies beweist der gro\u00dfe R\u00fcckstau des Endsees bei Hochwasser. Wasserstandsmarken im Feinsediment und das Verwischen von Befahrungsspuren bis etwa 40 m \u00fcber dem Normalwasserspiegel belegen diese Vermutung.<br \/>\nWeiters kann die neu erkundete Unterwasserstrecke des II. Siphones als logische Verl\u00e4ngerung des &#8222;Ganges des ewigen Schalls&#8220; angesehen werden. Die bis zu 80 m \u00fcber heutigem Wasserniveau gelegenen, ger\u00e4umigen G\u00e4nge und Hallen (Gang des ewigen Schalls, Blockhalle) wurden vermutlich nachtr\u00e4glich am jetzigen piezometrischen Wasserspiegel gekappt und trockengelegt.<br \/>\nDer im Mittelteil gelegene Tiefensee weist laut Angaben von H. Steinma\u00dfl weit geringere Spiegelschwankungen auf. Folglich mu\u00df die Unterwasserstrecke in Richtung Quelltopf gro\u00dflumiger sein, als der hintere Teil. F\u00fcr den R\u00fcckstau im Tiefensee d\u00fcrfte die Engstelle am Grund des Quelltopfes in 52 m Wassertiefe ausschlaggebend sein. Der Querschnitt dieser &#8222;D\u00fcse&#8220; betr\u00e4gt nur etwa 2 bis 3 m\u00b2. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass die am Boden lagernden Schottermassen bei Hochwasser in Richtung Quelle &#8222;geblasen&#8220; werden und anschlie\u00dfend wieder zur\u00fcckrutschen. Ansonsten w\u00fcrden an dieser Stelle bei Hochwasser fast unvorstellbare Str\u00f6mungsgeschwindigkeiten von etwa 15 m\/s erreicht werden.<br \/>\nAll diese Thesen bed\u00fcrfen einer genauen Kl\u00e4rung durch weitere Tauchg\u00e4nge. Sowohl im Endseeversturz als auch im Tiefensee wird es m\u00f6glich sein, weitere R\u00fcckschl\u00fcsse auf die hydraulischen Verh\u00e4ltnisse in dieser beeindruckenden Karstquelle zu ziehen.<\/p>\n<p>Dank:<br \/>\nNat\u00fcrlich mu\u00df erw\u00e4hnt werden, dass ein derartiger Tauchgang ohne ein starkes Tr\u00e4gerteam unm\u00f6glich w\u00e4re. An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich bei Nino BACHMAYR, Sebastian KOGLER und Johann PUTZ f\u00fcr deren Einsatz bedanken. Besonderen Dank verdient aber Helmut STEINMA\u00dfl, der neben der Mitwirkung als Tr\u00e4ger diese interessante Erforschung erst erm\u00f6glichte. Weiters erfuhr ich von ihm interessante Details \u00fcber die H\u00f6hle und erhielt Fotos f\u00fcr diesen Bericht.<\/p>\n<p>Literaturhinweise:<\/p>\n<p>BUCHBAUER, W.: Pie\u00dfling Ursprung. Mitteilungen des Vereines f\u00fcr H\u00f6hlenkunde Sierning, 1. Heft 1978, S. 5-8, Sierning 1978<\/p>\n<p>TROTZL, K &amp; TEIMER, G.: Erster Tauchereinsatz im Pie\u00dflingursprung (Ober\u00f6sterreich).Die H\u00f6hle, 13, Heft 4: S. 84-88, Wien 1962.<\/p>\n<p>TROTZL, K: Bericht \u00fcber den dritten Taucheinsatz im Piessling-Ursprung am Samstag den 8. M\u00e4rz 1975.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hoehle.at\/homepage\/Z-files\/Weiterer%20Tauchvorsto%C3%9F.pdf\">Weiterer Tauchvorsto\u00df.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kat.Nr.: 1827\/20 Robert Seebacher Tauchgang im Endsiphon des Pie\u00dfling-Ursprung (1636\/3) Ro\u00dfleiten, Ober\u00f6sterreich Lage: Der eindrucksvolle Quelltopf befindet sich s\u00fcdlich der kleinen Ortschaft Ro\u00dfleiten \/O\u00d6 auf einer Seeh\u00f6he von ca. 755 m am Fu\u00dfe einer etwa 100 m hohen Felswand. 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